Haustorschlüssel - Elternschule - Österreich
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Year Published: 1973
Description: 16mm Film - Haustorschlüssel - Elternschule - Österreich 1973 Regie: Wolfgang Glück Buch: Lida Winiewicz Kamera: Elio Carniel Musik: Bill Grah Darsteller: Lotte Ledl, Alfred Böhm, Gerhard Klingenberg, Susi Baumgartner, Georg Resetka, Philip Goeth, Ralph Ripken u. a. Erich ist 15 Jahre und möchte einen eigenen Haustürschlüssel haben. Die Eltern sind entsetzt, dann könnten sie ihre Kinder ja noch weniger kontrollieren. Der Vater vor allem kann sich nicht erinnern, in diesem Alter jemals ausgegangen zu sein und obendrein hat er auch keine sehr hohe Meinung vom Freundeskreis seiner Kinder - den er kaum kennt. Erst als die Eltern sich bemühen, die Bekannten ihrer Kinder in das Familienleben mit einzubeziehen, stellt sich heraus: 'So schlimm sind die ja gar nicht!' Heute ist er eine Selbstverständlichkeit: der Besitz eines Haustorschlüssels. Vor 100 Jahren war das nicht der Fall. Mieter in Wien hatten kein Anrecht auf einen Haustorschlüssel. Die Regelung war für die Wiener so demütigend, dass SPÖ-Parteigründer Victor Adler den Anspruch auf einen Haustorschlüssel sogar zu einem der 'wichtigsten Schritte zur politischen Emanzipation des Proletariats' zählte. Wollte man zwischen 22 Uhr und 6 Uhr in der Früh sein Wohnhaus betreten, musste man daher dem Hausmeister das sogenannte 'Sperrsechserl' (20 Heller; ursprünglich sechs Kreuzer) zahlen. Theatervorführungen, Wirtshausbesuche und politische Veranstaltungen mussten zeitlich so angelegt werden, dass ein Nachhausekommen vor 22 Uhr möglich war. Für das Kaiserreich war diese Abhängigkeit vom Hausmeister von außerordentlicher ordnungspolitischer Bedeutung. 'Die Sperrgebühr war, als sie von der Habsburgerreaktion eingeführt wurde, als eine Strafe gedacht, die derjenige bezahlen musste, der sich nach 10 Uhr nachts noch außerhalb seines Wohnhauses befand', schrieb die 'Arbeiter Zeitung' 1921 anlässlich der 'Befreiung vom Sperrsechserl'. 'Daraus bildete sich die Ideologie, dass nach 10 Uhr nachts nur ein 'Lump' ausbleibt. Die zehnte Abendstunde wurde so zum Prüfstein für den anständigen Wiener', schrieb die Zeitung weiter. Für viele Wiener des Jahres 1914 war es ein Albtraum, nachts nicht ohne Hausmeister in die eigenen vier Wände zurückkehren zu können und sich in der eigenen Stadt ausgesperrt zu fühlen. Felix Salten geißelte in der 'Neuen Freien Presse' am 21. Juni 1914 die 'Hausmeisterplage' und sprach von einem grotesken Zwang. Er hatte keine Hoffnung, dass die Stadtregierung 'dieses fossile Hindernis aus der Nachtwächterzeit beseitigt'. Es sei Anno 1914 wohl zu viel verlangt, 'uns vor all den Misshelligkeiten und Gefahren, die das Wachläuten des Hausmeisters bei Erkrankungen oder Unglücksfällen mit sich bringt', zu befreien. Der Grund aus Saltens Sicht: Die sich seit zwanzig Jahren an der Macht befindlichen Christlichsozialen würden 'mit den Tausenden Wiener Hausmeistern ebenso viel tausend Wählerstimmen verlieren, und das darf man einer Macht, die sich selbst so innig liebt, nicht zumuten'. Ein modernes Großstadtleben war im Wien des Jahres 1914 also nur bedingt möglich. Viele Städter waren der Überzeugung, dass Wien provinziell bleiben werde, solange das 'Hausmeister- und Sperrstunden-G'frett', wie es Hermann Sallmayer nannte, nicht abgeschafft werde. 'Geben Sie uns den Hausschlüssel!', forderte er bereits 1880. Bis zur tatsächlichen Abschaffung sollte es aber noch dauern. Erst 1922 wurde der freie Zugang zum eigenen Haus Wirklichkeit. Erich is 15 years old and wants his own front door key. His parents are horrified, because then they would have even less control over their children. The father, in particular, can't remember ever going out at that age and, on top of that, he doesn't have a very high opinion of his children's circle of friends - whom he hardly knows. It's only when the parents make an effort to include their children's friends in family life that they realize: 'They're not that bad!' Today it is a matter of course: owning a house key. This was not the case 100 years ago. Tenants in Vienna had no right to a front door key. The regulation was so humiliating for the Viennese that SPÖ party founder Victor Adler even counted the right to a house key as one of the 'most important steps towards the political emancipation of the proletariat'. If you wanted to enter your home between 10 p.m. and 6 a.m., you had to pay the janitor the so-called 'Sperrsechserl' (20 Heller; originally six Kreuzer). Theater performances, visits to pubs and political events had to be timed so that it was possible to get home before 10 pm. For the Empire, this dependence on the janitor was of extraordinary regulatory importance. 'When it was introduced by the Habsburg reaction, the curfew was intended as a penalty that had to be paid by anyone who was still outside their home after 10 o'clock at night,' wrote the 'Arbeiter Zeitung' in 1921 on the occasion of the 'Befreiung vom Sperrsechserl'...
Online Copy: https://www.youtube.com/watch?v=lhL8HvODCmc
Metadata Source:YouTube
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Record added: 2026-06-12 21:02:33